In der Ruhe liegt die Kraft: Geduld in Veränderungsprozessen
- Theresa Güdemann

- vor 7 Stunden
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Der Frühling signalisiert die Zeit des Aufbruchs. Die Knospen stehen schon bereit, die Natur zeigt sich von ihrer sonnigen Seite und doch braucht alles noch etwas Zeit. Auch persönliche Entwicklung folgt eigenen Rhythmen. Bereitschaft und Motivation allein führen nicht sofort zu den erwünschten Veränderungen.
In der Ergotherapie und im Coaching erlebe ich immer wieder, dass Menschen oft klar benennen, was sie ändern möchten und ab diesem Punkt ins Stocken geraten. Absolut frustrierend, stimmts? Und genau hier zeigt sich: Einsicht, Wunsch und Handlungsfähigkeit verlaufen selten parallel und linear.
Warum Veränderung manchmal ins Stocken gerät
Selbst wenn innere Klarheit vorhanden ist, bleibt die Umsetzung oft aus. Der Grund liegt meist im Alltag: Neue Entscheidungen brauchen Raum, Sicherheit und wiederholte Erfahrung, um stabil umgesetzt zu werden.
Menschen spüren, dass sich etwas ändern sollte, merken aber erst im Tun, wie schwer es fällt und verlieren die Motivation
Routinen, alte Gewohnheiten oder externe Anforderungen bremsen die Umsetzung, der Fokus verschwimmt, das Ziel wird aus den Augen verloren
Selbst kleine Schritte kosten Energie, wenn der Alltag wenig Platz dafür lässt
Erkrankungen, Verletzungen und Schmerzen lassen sich nicht planen und würfeln manchmal den gesamten Alltag durcheinander
Diese Phase des Wartens zwischen Impuls und Umsetzung wird dabei ganz oft als Stillstand wahrgenommen. Dabei handelt es sich viel mehr um einen wesentlichen Bestandteil von Entwicklung. Wer diese Phase aktiv zulässt, stärkt langfristig Selbstwirksamkeit und Handlungsfähigkeit.
Vorbereitung als Schlüssel für nachhaltige Veränderungen
In der Ergotherapie und im Coaching ist Vorbereitung ein zentrales Werkzeug: Sie ermöglicht, dass neue Handlungen stabil und tragfähig werden. Dabei geht es nicht um Perfektion, sondern um kleine, machbare Schritte:
Abläufe und eigene Ressourcen bewusst wahrnehmen und planen
Wiederholung statt Optimierung
Raum für neue Schritte schaffen
verschiedene Varianten ausprobieren
Wer diese Phase bewusst und selbstbestimmt gestaltet, legt den Grundstein dafür, dass Veränderungen im Alltag tragfähig und nachhaltig umgesetzt werden können.
Gedankenexperiment: Veränderung bewusst wahrnehmen
Wann hast Du zuletzt so einen "Stillstand" in Deinem Alltag wahrgenommen? Krame die Erinnerung daran noch einmal heraus bzw. falls Du den Stillstand jetzt im Moment im Alltag spürst, beobachte Deine Gedanken und Empfindungen dazu. Ein Beispiel aus meiner Praxis: Eine Klientin identifiziert sich in hohem Masse mit ihrer Arbeitstätigkeit. Chronische Schmerzen lassen ein konstantes Leistungsniveau nicht zu und führen zu einer grossen Unzufriedenheit und wenig Planungssicherheit im Alltag bezüglich des eigenen Belastungsniveaus. Drei Möglichkeiten mit dieser Situation damit umzugehen:

"Das ist mir alles zu viel! Ich ziehe mir die Decke über den Kopf und warte die ganze Zeit sehnsüchtig darauf, dass die Schmerzen endlich aufhören."

"Na toll, ich würde ja jetzt meine Arbeit erledigen, aber ausgerechnet die Woche muss ich diese Schmerzen haben. Es regt mich so auf!!!" Sie rückt sich kurz zurecht und zwingt sich zum Weitermachen. Eine Woche später geht sie doch zum Arzt, der sie zwei Wochen krankschreibt.

"Ok, dass klappt diese Woche nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe. Welche Aktivitäten sind in dieser Situation für mich machbar? Vielleicht finde ich ja etwas, was mich beweglich hält, mir gut tut und trotzdem das Gefühl gibt, produktiv zu sein?"
Für welche Option würdest Du Dich entscheiden?
Dabei kommt es ganz auf den Blickwinkel an. Nimmst Du Dich als selbstbestimmte*r Gestalter*in in der Situation wahr oder als ausgeliefertes Opfer? Musst Du diesen Zustand ertragen und durchstehen oder findest Du Möglichkeiten diese Zeit für Dich wertvoll zu nutzen bzw. sogar zu geniessen? In meinem Beispiel stärkt übrigens Möglichkeit Nr. 3 nachhaltig das Selbstwertgefühl, die Selbstbestimmung und wirkt Grübelgedanken entgegen. Warum? Weil wir aktiv und handlungsfähig bleiben. Wir warten nicht ab, sondern supporten uns selbst.
Geduld als Haltung im Alltag
Alles zu seiner Zeit. Sich bereit fühlen bedeutet nicht automatisch auch bereit zu sein und sofort zu handeln. Vieles, was für uns zunächst unsichtbar ist, ist bereits in Bewegung. Wir dürfen da zuerst hinschauen und beobachten.
In meiner Arbeit begleite ich Menschen genau in diesen Übergängen: dort, wo innere Impulse langsam ihren Platz im Alltag finden, mit fachlicher Begleitung, klarer Orientierung, Geduld und Raum für die eigene Entwicklung.
Du wünschst Dir eine individuelle Begleitung genau in diesem Bereich? Dann findest Du unter Ergotherapie und Coaching weitere Informationen.
Dir hat dieser Artikel gefallen? Klicke aufs Herz und hinterlasse gerne ein Kommentar! Frühlingshafte Grüsse aus der Entdeckerlounge in Möhlin
Theresa



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